Danke, Körper, dass du mich trägst.

Ein personzentrierter Einstieg in ein ausgeglicheneres Körperbild.

„My body hears every word I think and say. I will speak with love and kindness.“ (anonym) 

Was für ein schöner, aber schwieriger Vorsatz. Wir wollen mit euch in diesem Seminar kreativ und ungezwungen einen ersten Schritt hin zu einem ausgeglicheneren Körperbild machen. Statt Perfektion setzen wir auf Akzeptanz. Statt Bodybashing zu betreiben und einer „Ideologie der Machbarkeit“ zu unterliegen (Liesbeth Woertmann) üben wir uns in Selbstempathie. Der manipulierenden Bild-Kultur in Illustrierten, Magazinen, im Fernsehen und auf allen Social Media Kanälen setzen wir Authentizität, Intuition und einen ganzheitlichen Ansatz entgegen. Es ist höchste Zeit für einen freundlicheren Umgang mit unserem Körper, denn er ist unser Zuhause.

Im Seminar gibt es Zeit und Raum für personzentrierte Selbstreflektion und personzentrierten Austausch, für die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild, für wohlwollende wechselseitige Begleitung. 

Inhalte: 

Arbeit mit erlebensbezogenen, kreativen und ressourcenorientierten Elementen: 

  • Das körperliche Erleben in Wort und/ oder Farben und Bildern festhalten
  • Ressourcen aktivieren für ein körperfreundliches Haltungsziel
  • Erarbeitung von Erinnerungshilfen für den Alltag

Termin: 03.02.2022, 18:00 bis 21.15 Uhr

Anmeldung und Veranstaltungsort: KOBIseminare Dortmund

Es gilt die 2G-Regel.

Weitere Infos: https://www.kobi.de/unsere-seminare/persoenlichkeit-und-potenziale/kursdetails/index.shtml?eCourseId=2964

24 Wertpapiere

24 Wertpapiere haben mich in diesem Jahr aus sehr persönlichen Gründen durch die Weihnachtszeit begleitet. Jeden Tag habe ich das jeweils gültige Wertpapier mit anderen Menschen geteilt und durch Fragen dazu angeregt, die Bedeutung des jeweiligen Wertes für das eigene Leben zu überprüfen. Die Gestalter dieses wert-vollen Begleiters durch den Advent (Marianne Hengl, Werner Mühlböck und Peter Mertz, 2006*) haben diese 24 Wertpapiere als Wegweiser im Advent – Advent ist lateinischen und bedeutet Ankommen – verstanden. Ich denke, sie können uns auch im kommenden Jahr die Richtung zeigen und das Ankommen erleichtern und liste sie hier noch einmal alle auf:

Achtung, Dankbarkeit, Orientierung, Glück, Wut, Solidarität, Ehrlichkeit, Hoffnung, Fairness, Familie, Freundschaft, Natur, Geduld, Mut, Respekt, Toleranz, Glaube, Treue, Würde, Vertrauen, Zärtlichkeit, Zeit, Zufriedenheit, Leben

Welcher Wert ist, welche Werte sind für dich besonders wichtig? Warum? Und was willst du tun, um diesem Wert, diesen Werten Raum zu geben in 2022? Was wirst du tun, um dein Leben und das der anderen schöner, bunter, glücklicher, reicher zu machen?

Ich wünsche schöne Weihnachten, Zeit zum Ausruhen, Geborgenheit und Ruhe, die Erinnerung an leichtere Tage und die Hoffnung auf Besserung. Lasst uns, lassen Sie uns auch 2022 gemeinsam wert-voll gestalten.

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Jahr

*ISBN 9783702227784 (unbezahlte Werbung)

Gute Beratung ist im Einklang mit meiner Natur

Jeder Mensch hat eine eigene „Landkarte“ aus Erfahrungen, gelerntem Wissen, Erziehung, Veranlagung, kulturellem und sozialem Erbe, Gefühlen und Deutungen. Diese Landkarte unterscheidet sich von den Landkarten der anderen und ist „richtungsweisend“ für das eigene Leben bzw. die eigene Lebensaufgabe. Eugene Gendlin, Philosoph und Psychotherapeut, nennt unseren jeweils individuellen Blick auf die Welt „first-person-science“.  So unterstreicht er die Einzigartigkeit jedes einzelnen und seine einzigartige Sichtweise auf die Welt. Wenn wir anerkennen, dass sich in jedem Menschen eine eigene Welt befindet, dann ist die Frage berechtigt, ob wechselseitiges Verstehen, überhaupt möglich ist bzw. was es braucht, um einander gut zu verstehen. 

„Mir scheint, dass wir in Zukunft unser Leben und unsere Erziehung auf die Annahme gründen müssen, dass es ebenso viele Wirklichkeiten wie Menschen gibt, und dass wir dieses zuallererst akzeptieren müssen, bevor wir weitergehen.“ (Carl R. Rogers)

In der Personzentrierten Beratung setze ich auf den Perspektivwechsel durch einfühlendes (empathisches) Verstehen. Für die Zeit der Beratung lege ich meine Ansichten und Wertungen soweit es geht beiseite, um in die Welt meines Gegenübers ohne Vorurteile eintreten zu können. Empathie bedeutet für mich ein tiefes Verstehen aus dem Bezugssystem des Gegenübers heraus, „… möglichst exakt mit all seinen emotionalen Komponenten und Bedeutungen, gerade so, als ob man die andere Person wäre, jedoch ohne jemals die àls ob´-Position aufzugeben.“ (Carl R. Rogers, Therapeut und Klient. Grundlagen der Gesprächspsychotherapie. 2001, S. 23) Die Frage „was bewegt dich?“ wird zu einem fortlaufenden, gemeinsamen Suchprozess, in dem ich mich bemühe zu verstehen, wie du das fühlst, was dich in diesem Moment bewegt. Mein Ziel ist es, für dich in deiner inneren Welt eine vertrauensvolle Gefährtin zu sein und so Beratung „im Einklang mit deiner Natur“ zu gewährleisten. Im Vertrauen auf deine innere Landkarte und deine Entwicklungsfähigkeit gehe ich davon aus, dass du nicht nur dein Anliegen, deine Frage, dein Problem sondern immer auch die Lösung bereits in dir trägst. 

Gute Beratung ist aufrichtig zuhören und verstehen.

„Es ist im Leben sehr selten, dass uns jemand zuhört und wirklich versteht, ohne gleich zu urteilen. Dies ist eine sehr eindringliche Erfahrung.“ Carl R. Rogers 

Jedes Mal, wenn ich diesen Satz von Carl Rogers lese, fallen mir Situationen ein, in denen ich eine eindringliche Erfahrung gemacht habe und es fallen mir Situationen ein, in denen es nicht so war, wo ich mich nicht verstanden, bewertet oder belehrt gefühlt habe. 

Diesen wichtigen Unterschied, den wir beim Zuhören machen können, habe ich erstmalig vor mehr als 20 Jahren in einem Gordon-Familientraining, das Kursprogramm zur „Familienkonferenz“ von Dr. Thomas Gordon, kennengelernt. Die Grundlage dieses Trainings ist der wissenschaftliche Ansatz nach Carl R.Rogers. In diesem Kurs ging es ganz viel darum, wie ich meinen Kindern bei Kummer hilfreich zuhören kann, wie ich mich so äußere, dass meine Kinder mich verstehen und wie wir in der Familie Konflikte so lösen, dass alle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Ich war von der zugrundeliegenden Haltung so begeistert, dass ich mich direkt im Anschluss für die Weiterbildung Klientenzentrierte Gesprächsführung angemeldet habe. Im Laufe der Jahre kamen weitere personzentrierte Weiterbildungen hinzu. 

Meine jüngste Tochter war damals gerade ein Jahr alt und ist mit dem personzentrierten Ansatz groß geworden. Ich erinnere mich noch gut, wie sie vor einigen Jahren mit einem Problem zu mir kam und ich, da ich wenig Zeit hatte, nicht in der gewohnten Weise zuhörte, sondern Lösungsvorschläge lieferte. Sie hörte sich das eine Weile an und sagte dann: „Mama, jetzt mal so wie immer. Hör so zu, dass ich meine eigene Lösung finde.“ Das hat gesessen. Seitdem weiß ich, wie wichtig ihr #aufrichtiges Zuhören un Verstehen ist. Das klappt nicht jedes Mal sofort, aber im Zweifel verabreden wir uns. Auch die anderen beiden überraschen mich immer wieder damit, dass sie so selbstverständlich zuhören und dabei viel Wert auf den Perspektivwechsel legen. Es ist so schön zu sehen, wie sie damit auf die (Un-)Wegbarkeiten des Lebens vorbereitet sind.

Thomas Gordon hat übrigens die Grundlagen seines Elterntrainings unter dem Motto „ich bin wichtig – du bist wichtig – wir sind wichtig“ auch auf andere „Alltagsbeziehungen“ übertragen. Ziel seiner lebenslangen Foschungsarbeiten und Praxis waren die Verbesserung von Beziehungen und das gewaltfreie Lösen von Konflikten. „In der zwischenmenschlichen Kommunikation geht es darum, zu verstehen und verstanden zu werden.“ (Thomas Gordon) Der Schlüssel, den wir hierfür brauchen, ist das Zuhören. Wenn wir wiedergeben, was wir gehört bzw. verstanden haben, damit unser Gegenüber es überprüfen kann, wenn wir der Person aus dem Herzen sprechen, wenn wir die Perspektive wechseln, wenn wir andere Wirklichkeiten akzeptieren …  wenn wir durch das Zuhören neue Räume eröffnen, dann gelingt Verstehen und dann ändert sich die Qualität der Beziehung.

Obwohl ich schon so lange dabei bin: Verstehen, worum es wirklich geht und entsprechend handeln, fordert mich bis heute heraus und es lohnt sich, es immer wieder zu probieren. „Es ist als ob er zuhörte und solches Zuhören wie seins hüllt uns in ein Schweigen, in dem wir schließlich zu hören beginnen, was wir eigentlich sein sollen.“  (Lao-Tse)

Im Bildungsurlaub „Grundlagen der Personzentrierten Beratung“ vom 4. – 8.10.2021 in Dortmund wollen Petra Brandes und ich Ihnen / euch zeigen, wie das geht, so zuzuhören, worauf es in der Beziehungsgestaltung ankommt und wie sich das anfühlt, so verstanden zu werden. Vielleicht haben Sie / hast du ja Zeit und Lust dabei zu sein?

https://www.kobi.de/unsere-seminare/berufliche-kompetenz-und-arbeitswelt/kursdetails/index.shtml?eCourseId=2728

Bei Fragen rufen Sie mich / ruf mich gerne an.

Gute Beratung ist mehr als zu wissen, wo der Schuh drückt.

Oder: 

Gute Beratung ist das Sein und das Werden verstehen.

Es gibt sie immer wieder, die Momente, in denen wir merken, dass etwas nicht mehr stimmt. Plötzliche Wachstumsphasen, die dazu führen, dass der sprichwörtliche Schuh drückt, weil er einfach nicht mehr passt. So wichtig diese Erkenntnis auch ist, sie allein führt nicht dazu, dass sich etwas ändert. Vielmehr braucht es Bereitschaft, passende Gelegenheiten, Angebote und manchmal auch Beratung, bis wir ein neues Paar Schuhe gefunden und – ganz wichtig – eingelaufen haben. Veränderungen brauchen Zeit, vor allem wenn es um unser Selbst(-Konzept) geht. Etwas, das mit uns gewachsen ist und repräsentiert, was wir gelernt haben, was wir über uns denken, wie wir uns sehen und wie wir von anderen gesehen werden wollen, ändert sich nicht mal eben so. Auch wenn wir deutlich spüren, dass etwas nicht mehr stimmt, etwas nicht mehr im Lot ist.

In der Humanistischen Psychologie gibt es eine sehr schöne Grundannahme. Wir alle verfügen über Selbstheilungs – und Selbstentwicklungskräfte, die unser Streben nach Wachstum unterstützen. Unter guten Bedingungen verläuft dieses Wachstum positiv, dient gleichermaßen der Erhaltung und der Weiterentwicklung unseres Daseins. Der innere Prozess der Selbst-Organisation dient also einerseits dazu die Kontinuität der Orientierung in der Welt, die Sicherung der eigenen Existenz und der eigenen Identität zu gewährleisten und gleichzeitig dazu als Repräsentations- und Orientierungssystem mit den sich verändernden Bedingungen der äußeren und inneren Welt Schritt zu halten und einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des gesamten Organismus und der Persönlichkeit zu leisten. Also: Jedes Mal, wenn ich neue Erfahrungen mache, prüft eine innere Instanz, ob diese der Selbst-Erhaltung oder Selbst-Entfaltung dienen und ob ich – zumindest im Falle der Entfaltung – diese gefahrlos zu lassen kann. Was aber ist dieses Selbst, von dem hier die ganze Zeit die Rede ist? Unser Selbst besteht aus zwei großen Bereichen: unseren eher intuitiven, körperlichen, organismischen Empfindungen („Bauchgefühl“) und dem Selbstbild, das sich aus der Summe der Gedanken und Bewertungen, die wir über uns haben und den Aussagen, die wir über uns selbst treffen, zusammensetzt. Das Selbstideal – wie ich gerne wäre und wie ich mich gemessen an diesem Bild bewerte – ist ebenfalls Teil des Selbstbildes. (Nachzulesen bei Behr, M., u.a. (Hg) (2017). Gespräche hilfreich führen. Band 1: Praxis der Beratung und Psychotherapie. Weinheim Basel, S. 28 ff) 

Vereinfacht ausgedrückt, es gibt das, was wir klar über uns sagen können, und eher diffus, das, was wir manchmal spontan, aus dem Bauch heraus entscheiden, das, was wir mehr ahnen als wissen. „Der Mensch ist inkommensurabel (= nicht messbar, unwägbar), es bleibt immer ein unübersetzbarer Rest. Das betrifft nicht nur den anderen, der weder ganz durchschaut noch erfasst werden kann, sondern auch das eigene Selbst. Sich anzunehmen bedeutet, etwas zu umarmen, dass man nicht fassen kann, (…).“ (Ariadne von Schirach. Ich und du und Müllers Kuh.2020, S. 19) 

Und darum geht es auch in Beratung. Um diesen „unübersetzbaren Rest“ genauso wie um das klare Bild, das ich von mir habe und darum, wie das beides nebeneinander sein kann und wie es gelingen kann, nach und nach das, was wir (noch) nicht fassen können, kleiner werden zu lassen. Beratung heißt, sich gemeinsam nicht nur dem eigenen Sein, sondern immer auch dem eigenen Werden anzunähern, weil „(…) jeder Mensch nicht nur ein Sein, sondern auch ein Werden ist.“  (ebd., S. 9)

Wenn du mehr über das Selbst(-Konzept) nach Carl Rogers erfahren möchtest, dann komm gerne zum Erlebensabend am 16.09.2021 nach Dortmund ins KOBI e.V. 

https://www.kobi.de/unsere-seminare/berufliche-kompetenz-und-arbeitswelt/kursdetails/index.shtml?eCourseId=2694

Du kannst mir auch gerne eine E-Mail an silke.welge@posteo.de schreiben, wenn du Fragen hast.

Gute Beratung ist kreativ mit den Veränderungen der Welt Schritt zu halten.

Kreativ zu sein ist wichtig, um mit den Veränderungen in der Welt Schritt zu halten. „Wenn man neue und originelle Adaptionen an seine Umwelt nicht genau so schnell schafft, wie Wissenschaft diese Umwelt verändern kann, dann wird unsere Kultur vergehen.“ (Carl Rogers. Entwicklung der Persönlichkeit. 1973.S. 260) Diese – prophetisch anmutenden – Worte von Carl Rogers aus den frühen 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts sind heute wichtiger denn je. Steht doch nicht mehr nur unsere Kultur, sondern die Lebensgrundlage junger und kommender Generationen auf dem Spiel. Neben dieser Jahrhundertaufgabe ist es aber auch für uns Individuen von entscheidender Bedeutung, Veränderungen in der eigenen Biografie kreativ zu bewältigen oder auch herbeizuführen, wenn sich der Stillstand nicht mehr richtig anfühlt. Nach Rogers beutet kreativ sein, „das tätige Hervorbringen eines neuartigen Produkts der Beziehung zwischen der Einzigartigkeit des Individuums einerseits und den Materialien, Ereignissen, Menschen oder Umständen seines Lebens andererseits.“ (ebd. S. 261) Das klingt kompliziert, ist es aber im Grunde nicht. Du und ich, wir alle sind in der Lage, unter günstigen Bedingungen Neues zu schaffen, in dem wir unsere einzigartigen Qualitäten und unsere Umwelt, alle Menschen, die uns umgeben, die Aufgaben, die wir erledigen, all das, was uns das Leben täglich abverlangt, in Beziehung stellen. Je offener wir für unsere Erfahrungen sind und je unabhängiger wir uns von der Bewertung anderer fühlen, desto konstruktiver und kreativer wird unser soziales, kulturelles, musisches, wissenschaftliches Leben und desto leichter fällt es uns, mit all diesen Realitäten umzugehen. Besonders gut gelingt uns das, wenn – wie gesagt – die Bedingungen günstig sind und die konstruktive Kreativität fördern. Das heißt konkret: „Gerade die Natur der inneren Bedingungen der Kreativität zeigen deutlich, dass man sie nicht erzwingen kann, sondern ihnen erlauben muss, hervorzutreten. (…), dass wir die Wahrscheinlichkeit einer Entstehung von konstruktiver Kreativität am besten fördern, wenn wir die Bedingungen für psychische Sicherheit und Freiheit herstellen.“ (ebd. S. )

An dieser Stelle kommt meine Personzentrierte Beratung ins Spiel. Manchmal fehlen die Bedingungen im Alltag und es braucht einen sicheren Ort, der die notwendigen Denk- und Freiräume eröffnet, in denen

1. das Individuum als bedingunglos wertvoll akzeptiert wird,

2. ein Klima existiert, in dem keine Wertsetzung von außen erfolgt,

3. ich mich bemühe dich und das, was du tust, empathisch zu verstehen, von deinem Standpunkt aus in die Welt sehe, und

4. die völlige Freiheit im symbolischen Ausdruck, Neugier und das spontane Jonglieren mit deinen einzigartigen Wahrnehmungen, Begriffen und Bedeutungen erlaubt und ausdrücklich erwünscht ist.

Gute Beratung ist auf den Körper zu achten.

„Es gibt etwas, das genauer ist als das, was man aussprechen kann.“ (Eugene Gendlin)

Ich ändere mich nicht, ich löse meine Probleme nicht, ich komme nicht vorwärts ausschließlich durch die Kraft meiner Gedanken. Und doch habe ich alles, was ich brauche, um mich in die richtige Richtung zu bewegen. So belegt auch „eine Reihe von Untersuchungen (…), dass eine psychische Veränderung eintritt, wenn eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit auf das körperliche Geschehen gewendet wird. Das bezeichnen wir heute als „Focusing“.“ (E. Gendlin. 2018. S. 14) Mit anderen Worten: WIE ich denke ist wichtiger als WAS ich denke. Das heißt: Wenn mein Gehirn im Autopilot-Modus arbeitet, Gendlin spricht dann von „strukturgebundenem Erleben“, erlebe ich nicht die gegenwärtige Situation, wie sie jetzt ist, sondern ich erlebe die Struktur einer ähnlichen, vergangenen Situation. Strukturgebundenes Erleben ist hilfreich im Alltag; es verhindert allerdings auch, dass ich nicht weiterkomme, wenn ich nicht aufmerksam bin und das Neue, das Gegenwärtige, das Andere in der aktuellen Situation wahrnehme. Jede Wiederholung ist ein wenig anders, aber wenn wir strukturgebunden sind, gehen wir nicht von dem kleinen Unterschied aus weiter, sondern bleiben beim Gleichen.  Was ich stattdessen brauche, nennt Gendlin, «prozessorientiertes Erleben», die innere und äußere Freiheit und die Bereitschaft, die Situation neu zu interpretieren. Das erfordert Wachsamkeit und auch Mut und eröffnet mir den Reichtum der Gegenwart. 

Aber wie kann mir mein Körper dabei helfen? In dem er mir unmissverständliche, deutliche Signale sendet („Felt Sense“), die sich – wenn ich sie denn entschlüsselt habe – immer wie ein Durchbruch, wie eine eindeutige innere Bewegung anfühlen.  „Der in den Neurowissenschaften gängige Begriff der „Hintergrundemotion“ kommt dem des Felt Sense sehr nahe. Die komplex vernetzten elektrischen, chemischen, neuronalen und hormonellen Reaktionen unseres Körpers zu allem, was wir denken, können wir als umfassendes „Gespür“ wahrnehmen. Wir können es anfragen und daraus Schritte kommen lassen, die viel mehr „wissen“, als wir bisher gewusst haben.“ (Klaus Renn, Johannes Wiltschko, Vorwort zu Eugene Gendlin: Dein Körper – dein Traumdeuter. 2. Auflage 2018, S. 11) 

Manchmal gelingt es mir allein, die strukturgebundenen Wiederholungen zu stoppen, aber viel einfacher ist es, wenn ich ein Gegenüber habe. Die Chance neuer Erfahrungen entdeckt sich leichter, wenn ein aufmerksames Gegenüber einlädt, «vom kleinen Unterschied aus weiterzugehen». Gute Beratung ist auf den Körper, den eigenen und den des Gegenübers, zu achten und seine Botschaften in den Prozess einzubeziehen. 

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, bist du hier vielleicht richtig: https://www.kobi.de/unsere-seminare/persoenlichkeit-und-potenziale/kursdetails/index.shtml?eCourseId=2750

Ich freue mich, wenn du dabei bist.

Blockaden als Wegweiser – der Körper kennt den Weg.

Die Zeit drängt, Ideen

bleiben leer, mein starrer Blick

lässt nichts Neues zu.

Kennst du das auch? Du willst etwas tun, aber dein Körper, dein Geist oder das Leben an sich haben sich gegen dich verschworen. Dein Schaffensprozess steckt in einer Sackgasse. Dir fällt nichts ein, du findest keinen Anfang, etwas staut sich in dir auf, du bist wie ausgebremst. Gleichzeitig ist da die ganze Zeit so ein Gefühl, eine Ahnung, dass es gar nicht viel braucht, um wieder in Bewegung zu kommen. Es scheint so als wäre die Lösung spürbar nah – nicht greifbar – eher wie ein unbekannter Duft, der in der Luft liegt. Aber du kommst nicht drauf und deine Gedanken kreisen um sich selbst. Was tust du dann? Warten? Aufstehen? Gehen? Lesen?

Mir hilft es manchmal, mich meinem gegenwärtigen Erleben zuzuwenden. Indem ich dem Diffusen, der Störung, meinem Problem, meinem Nicht-Wissen Raum gebe und spüre, wie sich das in diesem Moment anfühlt, entstehen durch die Worte oder Bilder, die mir dazu einfallen, neue Ideen, ein nächster Schritt. Oft überraschend anders (als erwartet), aber immer stimmig komme ich, kommt meine Arbeit wieder in den Fluss.

Die Methode, die diesem Vorgehen zugrunde liegt, heißt Focusing. Eugene Gendlin, der Focusing beschrieben und benannt hat, sagt darüber: „Focusing nenne ich die Zeit, in der man mit Etwas ist, das man körperlich spürt, ohne zu wissen, was es ist.“ Klingt kompliziert, ist es im Grunde aber gar nicht.

Wenn du mehr über Focusing erfahren möchtest, dann komm doch am 21.8.2021 zu einem Kurzworkshop ins KOBI nach Dortmund. Ich würde mich freuen, dich dort zu sehen.

https://www.kobi.de/unsere-seminare/persoenlichkeit-und-potenziale/kursdetails/index.shtml?eCourseId=2750

Gute Beratung ist: auch mal eine Pause machen.

Ruhezeiten machen neue Einsichten erst möglich. Nicht umsonst heißt es: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Eine alte Erkenntnis, die auch durch die Ergebnisse der Hirnforschung bestätigt wird: Schweifen die Gedanken ab, dann werden im Hintergrund Informationen bearbeitet und neue  Aktivierungsmuster gebildet. Bei völliger Stille bildet das Gehirn neue Zellen im Hippocampus, einer Region, die für das Gedächtnis und das Lernen zuständig ist. Mit anderen Worten: Eine Ruhepause ist wichtig, denn ohne Pausen lernen wir nichts und unsere geistige Leistungsfähigkeit nimmt weiter ab. Nichtstun ist eine wichtige Voraussetzung für Kreativität und Produktivität. (https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/konzentration-das-gehirn-braucht-auszeiten/19620932-3.html)

Genug Gründe, um in jeder Woche Ruhezeiten, eine Auszeit, Freizeit und Denkzeit mit einzuplanen.

„Wir Menschen sind Pausenwesen. Wer nicht zwischen Zeiten der Aktivität und der Passivität wechselt, der wird atemlos und gestresst.“ (Karlheinz Geißler)

Wenn wir das doch wissen, warum fällt es nur so schwer, diesen Wechsel zu leben? Warum fällt es uns so schwer, den Ruhezeiten den gleichen Raum zu geben wie der Arbeit? Warum halten wir es kaum aus, so unproduktiv zu sein? Vielleicht ist es der krasse Wechsel aus der alltäglichen Geschwindigkeit in den Stillstand?

Ich erlebe das immer, wenn ich in den Urlaub fahre. Aus Sorge mich zu langweilen, packe ich viel zu viel ein. In den ersten Tagen erlebe ich mich rastlos, lese mehre Bücher gleichzeitig und kann kaum stillsitzen. Langsam, von Tag zu Tag werde ich dann gelassener und bin überrascht, mit wie wenig ich die Tage füllen kann, ohne etwas zu vermissen. Schauen und Staunen wird zu meinem liebsten Zeitvertreib. Und ganz langsam stellt sich ein, was Henriette Hanke so wunderbar treffend beschreibt: „Die Langsamkeit bietet die Chance, die Dinge, die wir tun, auch zu erleben.“ Also: Öfter mal eine Pause machen und der Langsamkeit eine Chance geben. Wenn uns das gelingt, dann verändern wir uns und über das Erleben auch unseren Umgang mit anderen und der Welt.

Gute Beratung ist ein Raum, in dem du dich wohlfühlst.

Ich habe schon viele Beratungsräume kennengelernt als Supervisandin, in der Lehrberatung, im kollegialen Austausch mit Kolleginnen und als Klientin in der Psychotherapie. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dass ich mich an dem Ort, an dem ich mich öffne und auf die schwierigen Themen in meinem Leben schaue, wohlfühle. Ich kenne das Gefühl, das sich in mir ausbreitet, wenn ich einen Raum betrete, in dem ich mit gut aufgehoben fühle. Während ich hier schreibe und an die Räume denke, spüre ich die Ruhe und das Gefühl von Sicherheit, dass mich durchströmt, wenn ich an diese Orte komme. Hier darf alles sein, alles gesagt werden, hier darf sich alles zeigen. Selbstverständlich tragen auch die Therapeutin, die Supervisorin, die Lehrberaterin oder die Kolleginnen maßgeblich dazu bei, dass ein „Sich-fallen-lassen“ möglich ist. Und doch ist es auch der Raum der maßgeblich mitgestaltet und ausdrückt, wie den Menschen begegnet wird. Vermittelt der Raum Wärme oder ist er kalt und klinisch? Vermittelt er Vertrauen? Was sagt mein Beratungszimmer über mich aus (durch Bilder, Bücher, Pflanzen …)? Erlauben die Sitzgelegenheiten ein Arbeiten auf Augenhöhe. Wie „begegnungsoffen“ ist der Raum eingerichtet? Stimmt die Balance zwischen Nähe und Distanz? Hat der Raum Atmosphäre, ohne abzulenken? Spiegelt sich in der Einrichtung die Wertschätzung gegenüber den Menschen, die zu mir kommen? Fühlen sie sich bedingungslos willkommen?

All diese Fragen stelle ich mir immer wieder, wenn ich in meinem Beratungszimmer Dinge neu arrangiere, frische Blumen hinstelle oder die Deko der Jahreszeit anpasse. Weil es mir wichtig ist auch auf diese Weise auszudrücken, mit welcher Grundhaltung ich den Menschen begegne.